Ruhig halten im Ziel!

Du hast Probleme Deinen Ziel-Punkt ruhig im Gold zu halten?

Möglicherweise hat das was mit der generellen Situation zu tun. Der Grund warum Du zur Zeit nicht in der Lage bist, Deinen Bogen völlig ruhig im Ziel zu halten ist, NIEMAND hält völlig ruhig!

Stelle Dir Dich selber vor mit einem Gewehr in stehendem Anschlag. Du kannst das Gewehr nicht ruhig halten und Du drückst ab, wenn das Ziel an Deinem Visier vorbei kommt. Legst Du das Gewehr auf einer Gabel auf, also an einem einzigen Punkt, geht es schon etwas leichter aber es wackelt immer noch ganz schön. Aber mit einem sogenannten "Bench Rest" Gewehr, also auf 2-3 Sandsäcken aufgelegt, liegt das Ding völlig ruhig. Und trotzdem, Du siehst durch Dein Zielfernrohr und das Ziel bewegt sich immer noch. Was ist los? Du merkst auf einmal, dass Deine eigene Atmung soviel Körperbewegung auslöst, dass das Ziel immer noch leicht im Fadenkreuz hin und her schwingt.
Also mußt Du lernen einzuatmen, halb auszuatmen, zielen und langsam den Abzug drücken. Aber der Schuß darf nur dann brechen, wenn das Fadenkreuz absolut bewegungslos im Ziel-CENTER steht. Tja, alles ist relativ. Du entwickelst Dich nur weiter von dem Level aus, auf dem Du Dich befindest.

Nun, kein Bogenschütze kann die "Bench Rest" Situation nach machen. Außer bei gelegentlichen, unerklärlichen Einzelschüssen. Die sind aber leider nicht wiederholbar.

Mein Lieblingsspruch:
" Hey, der saß mitten auf dem X!" "Das sollte er auch, ich habe dahin gezielt!"

Ich habe das Gefühl, es gibt keine "Ziel Routine" die wirklich hilft. Versuchen wir also eine Annäherung. Wenn Du Dich wirklich verbessern willst, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Minimalveränderungen Dir nicht weiter helfen und Dir keinen Ring zusätzlich bringen. Aber vielleicht kann eine völlig neu aufgebaute Routine wertvoll sein. Aber selbst die am besten durchdachteste Schuß-Routine kann völlig wertlos sein, wenn alles andere nicht stimmt.

Was ist der Unterschied zwischen dem Gewehrschützen im stehenden Anschlag und dem Bech-Rest Schützen? Bequemlichkeit! Der stehende Schütze hält nicht ruhig und setzt 95% seiner Kraft und Gedanken dafür ein sich Sorgen zu machen weil er nicht ruhig hält. Der andere Schütze setzt 95% seiner Anstrengung dahin gegend ein, dass er mit der Mitte des Fadenkreuzes die "10" in 4 gleiche Teile zerschneiden und nicht
"irgendwo in der Mitte" landen will.

Ich schätze mal, dass 90% aller Bogenschützen viel bequemer im Vollauszug stehen könnten während sie zielen. Das Spitzenzuggewicht ist nicht der Faktor. Aber das Haltegewicht. Sicherlich glaubt niemand er könnte völlig ruhig halten wenn er nur 8 oder 9 Pfund auf dem Release hat, zum Beispiel. Aber von den oben geschätzten 90% die alle ruhiger zielen könnten, müßten praktisch ALLE die Auszugslänge des Bogens korrigieren, damit er besser passt. Für die Rücken-Spannung mußt Du in der Lage sein, Deine Schulter- und Rückenmuskeln zu verriegeln. Wenn Du aber zuwenig Auszugslänge hast, kannst Du Deine Rückenmuskulatur nicht verriegeln! Du bleibst "schwammig" im Auszug. Viele Schützen sind in der unglücklichen Lage sich mit einem Bogen abzuquälen, der ihnen nicht exakt passt. Meistens sieht das so aus, dass sie sich selber überspannen, weil die Auszugslänge wirklich zu lang ist. Diese Situation ist meist der Grund dafür, dass sie mal gute und mal schlechte Tage haben, weil der Körper und der Geist mal "voll da" sind und mal nicht.

Für mich ist der ganze Hype "Du mußt aus der Mitte des Tales schießen" einzig eine Vermutung die auf dem Fakt basiert das, seit es die Gewichtsreduktion bei Compoundbögen gibt, es für irgendwas gut sein muß. Ich kenne einen sehr guten Compoundschützen mit einem Auszug von 26". Er schießt aber einen 31" Bogen direkt vom Spitzengewicht. Genauso als wäre es ein Recurve. Willst Du ihm jetzt sagen, dass das nicht geht, obwohl er gerade eben Dich und alle Anderen geschlagen hat? Genauso gibt es jede Menge Schützen, die durch das Tal durch bis vor die Wand ziehen. Sie sagen, es sei bequemer so und außerdem sei damit ihr Anker gleichmäßiger. Das Gleiche: Wie willst Du ihnen erklären, es wäre falsch, wenn Sie bessere Ergebnisse schießen als Du? So mancher Schütze sollte besser aufhören sich über "Mythen" und sogenannte "Geheimnisse" des Compound Gedanken zu machen und statt dessen lieber die richtigen Grundlagen des Schießens lernen.

Der Grund warum gelehrt wurde "niemals von einer anderen Stelle zu schießen als aus dem Tal" ist, das Tal ist bei manchen Bögen (wir reden von den runden Rollen) bis
zu 2 Zoll lang. Das heißt, dieser Bogen passt auf Anhieb mehr Leuten, denn jeder Bereich mit weniger Gewicht wird als Tal bezeichnet. Weiterhin, fast kein Schütze, inklusive der meisten Bogenhändler, ist in der Lage, Minimalverstellungen der Auszugslänge zu machen. Sie bewegen sich alle nur in den 1/2 Zoll oder sogar 1 Zoll Bereichen, die die Rollen vorgeben. Das ist es eben: Viele Schützen hätten eine viel bequemere Haltung und würden ruhiger zielen, wenn ihre Auszugslänge 1/4 oder nur 1/8 Zoll kürzer (oder länger) wäre. Diese Situation wird noch durch die "Geschwindigkeitsmäßig ausgemolkenen Bögen" verschlimmert. Die haben so steile Wände, dass das Tal mittlerweile eine Länge von "0" hat. Wenn Du jetzt hier nicht übereinstimmst mit Deinem Bogen, verkrampfst Du automatisch in einer völlig unbequemen Haltung. Die einzige Möglichkeit das problemlos in den Griff zu kriegen ist, wenn Dein Bogen ein wenig zu kurz ist. Dann hast Du die Möglichkeit Dir ein wenig mehr Auszugslänge zu holen indem Du auf ein D-Loop umsteigst und den Loop entsprechend länger lässt.

Überlege Dir, ob das oben beschriebene nicht genau Dein Problem ist und Dein Bogen wirklich nicht ganz richtig "sitzt".
Davon abgesehen sind passende Pfeile (Spine), perfekter Sitz des Visiers und absolut identische Schußabläufe nicht minder wichtig.

Wir sehen uns an der Schießlinie.