Rückenspannung   -   Back tension

Rückenspannung  -  Eine Einführung
 
"Rückenspannung" ist eine von den Dingen, über die wir immer wieder hören. Einige Schützen benutzen sie bis zu einem gewissen Grad, andere nutzen sie nicht. Einige Schützen verstehen um was es geht, andere nicht. Aber die meisten Schützen müssten es eigentlich verstehen um sie zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

Zuerst sollten wir mal nachschauen was die Vorteile einer guten Rückenspannung sind, egal ob Compound oder Recurve. Durch die einfache Art der Ausrüstung nutzen Recurve-Schützen die Rückenspannung bis zu einem bestimmten Grad. Dies trifft auf Compound-Schützen nicht zu. Wenn man sich draußen umsieht, wird man feststellen, dass die Compound-Schützen die konsequent mit Rückenspannung schießen, vom Recurve kommen!

Für einen Recurve-Schützen ist gute Rückenspannung geradezu lebenswichtig. Um diese Rückenspannung auch wirklich sinnvoll zu nutzen, brauchst Du eine gute "Linie". Von der Bogenhand bis zum Ellenbogen Deines Release-Arms.

Für Compound-Schützen gilt natürlich das Gleiche, obwohl es Top-Schützen mit einer sehr schlechten Rückenspannung gibt. Die würden aber ebenfalls von einer Verbesserung profitieren.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten "Rückenspannung und wie man sie erreicht" zu beschreiben und div. sind in Büchern und Artikeln dokumentiert. Es ist trotzdem anscheinend nötig, dies immer zu wiederholen.
Die meisten Bogenschützen, mit denen ich spreche, denken, sie hätten eine gute Rückenspannung oder verständen Rückenspannung oder beides. Tatsächlich aber trifft meistens beides nicht zu.
Also, erstens, WAS IST RÜCKENSPANNUNG?

Wir alle haben als Teil unserer "Konstruktion" diese sehr langen und kraftvollen Muskeln auf unserem Rücken. Diese Muskeln können und sollen uns beim schießen unterstützen. Sowohl beim Compound als auch beim Recurve wird der Rücken benutzt um den Schuß zu kontrollieren und abzuschließen. Beim Recurve übernehmen die Rückenmuskeln während des Auszuges von den Armmuskeln und der Pfeil wird durch das Zusammenziehen der Rückenmuskeln durch den Klicker gezogen. Beim Compound ist das ähnlich, nur ohne Klicker. (Normalerweise.) Der Vorteil ist hier, dass durch das Zusammenziehen der Rückenmuskeln, der Release-Arm und die Release-Hand nach hinten gezogen werden. Dadurch wird der Schuss "überraschend" ausgelöst. Viele der Top-Schützen und Top-Trainer sagen, dass genau dieser "Überraschungseffekt" der ideale Weg ist, einen Compound zu schießen.

Die Vorteile einer guten Rückenspannung sind:
Gleichmäßiger Ablauf, Kontrolle, vermindert Müdigkeit, verbessert die Genauigkeit.

Gute Rückenspannung zu erzeugen ist nicht einfach. Obgleich man jedem Schützen die Rückenspannung während einer Trainingseinheit beibringen kann, hält das selten länger als ein paar Tage vor. Das hat mehrere Gründe.
Erstens, gute Rückenspannung kann ohne sonstigen, guten Schießstil nicht erreicht werden. Zweites ist ein gutes Bogen Setup (gerade beim Compound) zwingend nötig. Drittens, und am wichtigsten, die Bereitwilligkeit des Schützen zu seinem eigenen Vorteil, sich diszipliniert an gute Trainingsroutinen zu halten.

Als ersten Schritt, überprüfe Deine "Linie". Für die, die es nicht wissen: Es ist die Linie von Deiner Bogenhand, durch Deine vordere Schulter zu Deiner hinteren Schulter. Diese Linie sollte gerade sein. Dann überprüfe die Linie vom Ellenbogen Deines Zugarmes wieder zu Deiner Bogenhand. Auch diese Linie sollte gerade sein. Diese Linien sind aber nur zu erreichen, wenn (gerade bei Compoundschützen) die Auszugslänge absolut stimmt! Für Recurve-Schützen muss auch die Pfeillänge gut passen. (Klicker) Ohne diese zwei Dinge (gerade Linien und passende Auszugslänge) wirst Du NIEMALS gute Rückenspannung hinbekommen.

Wenn Du Deine Ausrüstung gut eingestellt hast, kann es natürlich sein, dass Du Deinen Körper erst einmal von dieser "neuen Linie" und dieser Methode zu schießen "überzeugen" musst. Die meisten Schützen haben niemals ihre Rückenmusklen so benutzt, wie es nötig ist um diese Schießtechnik auszuführen. Unsere oberen Rückenmuskeln sind stief und unfelxibel. Vernünftiges Aufwärmen und Stretching sind absolut nötig um diese Flexibilität zu erreichen, die für die Kontrolle nötig ist.

Jetzt explizit für Compounder:

Du zerrst Dir also einen Wolf um die 60 lbs. über den Berg zu kriegen, dann schlägt das Let-off zu und nimmt Dir 65 oder sogar 80% des Gewichtes wieder ab. Nun, wenn Du WIRKLICH wissen willst ob Du die richtige Muskulatur (Rautenmuskeln) für Deine Rückenspannung einsetzt, mach einfach das nachfolgende Experiment. Es wird Dir in sehr kurzer Zeit eine Menge an Informationen geben:

 

 

Nimm einen leichten Recurve-Bogen, so zwischen 30 und 35 lbs, bei 28" Auszug. Bringe einen Nockpunkt an und einen D-LOOP! Dann gehe dicht vor die Scheibe. Visier brauchst Du nicht. Nimm Dein Release und ziehe den Bogen aus. (Natürlich mit Pfeil.) Du WIRST Mühe haben dem Bogen im Vollauszug zu halte, aber das ist es ja, was Du WILLST! Halte den Bogen solange Du kannst und dann löse, wie Du es gewohnt bist.

Das mache 50 bis 60 mal. Es zeigt Dir folgendes:
1. Wie es sich ANFÜHLT und welche Muskeln Du BRAUCHST um den Bogen hinten zu halten.
2. Wenn Du Deinen Compound in der Regel mit dem Arm hälst anstatt mit der Rückenmuskulatur, wirst Du ein Brennen im Unterarm und der Hand spüren, wenn Du das mit dem Recurve machst.
3. Du wirst spüren was für eine WIRKLICHE Explosion der Schuss sein kann und was ein TATSÄCHLICHES follow through ist.  --  Vorausgesetzt, Du machst es richtig und REISST nicht am Abzug.
4. Wenn Du mit dem Recurve im Vollauszug bist, mit FINGERN gezogen, versuche die Sehne zu verdrehen. Dann versuch das mal mit Deinem Let-off Compound. Du wirst sehen, das geht mit Deinem Compound recht leicht. Bei 80% kannst Du sogar einen "Loop" in die Sehne drehen. Bei dem Recurve kannst Du zwar die Sehne bewegen, aber weder so weit noch so leicht.

Dies sagt Dir etwas über das Let-off und was passieren kann, wenn Dein Auszug zu lang ist und die Sehne "rund um Dein Gesicht" läuft. Oder sonstwie aus der geraden Linie läuft.

Jetzt gehe zurück zu Deinem Compound. Jetzt siehst und FÜHLST Du den Unterschied zwischen der Explosion eines Schusses mit TATSÄCHLICHER Rückenspannung und der "gefaked"en Explosion, von der wir nur denken, es wäre eine, da wir NUR 15 - 20 lbs. halten und versuchen einen sauberen Schuss abzuliefern.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Dieses Experiment ist wirklich Deine Zeit wert, aber ein 20# Recurve ist nicht genug. Du solltest auf jeden Fall über 30# wenn nicht sogar über 35# gehen.

Soweit das Thema "Rückenspannung" in Kurzform. Wenn Du ernsthaft GUT schießen willst, solltest Du Dich für den Stil mit Rückenspannung entscheiden. Sieh Dich auf den guten Wettkämpfen um. Suche Dir einen Schützen den Du kennst und der gute Rückenspannung einsetzt. Frage ihn ob er es Dir beibringt.
Machst Du aber den Wechsel, nimm Dir Zeit und halte durch! Das Resultat wird sich lohnen. Versprochen!

Wir sehen uns an der Schießlinie.