Auszugslänge - Ein sehr unterschätztes Thema
 

Die "perfekte" Auszugslänge 

Deine eigene "perfekte Auszugslänge" ist die, mit der Du Dich am bequemsten fühlst und Du Deine besten Ergebnisse schießt.
Da gibts nichts "richtig" oder "falsch". Nichts Absolutes. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Mensch mit 1,70m einen Auszug von 30" hat. Oder ein 2,00 m Mensch einen mit 27". Nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich. Für viele Schützen ist die perfekte Auzugslänge das, was sie fühlen, mit ein wenig "Versuch und Irrtum", anstatt auf der Basis von Berechnungen. Ich empfehle Dir hier ein wenig gesunden Menschenverstand. Wenn Du neu in unserem Sport bist und nun überhaupt keine Ahnung hast, wie Du beginnen sollst, schau Dich um nach anderen Schützen Deiner Statur und Größe. Das gibt Dir einen guten Startpunkt. Zum Glück ist heute bei den modernen Bögen eine Änderung der Auszugslänge eine ziemlich simple Sache. Es ist also am Anfang keine Frage von Leben und Tod. Wenn Du dann allerdings so nach und nach mit unserem Sport immer vertrauter wirst und auch schon das Eine und Andere "fine tuning" machst, kannst Du auch mal mit der Auzugslänge herum spielen und ein wenig experimentieren.
Warum Auszugslänge wichtig ist.

Größere Auszugslänge = mehr Power 

Je länger Deine Auszugslänge ist, um so länger ist Dein power stroke (der Weg, den der Pfeil beschleunigt wird) - um so schneller ist Dein Pfeil. Als Daumenregel gilt, 1 Zoll Auszugslänge ist ungefähr (je nach Bogentyp) 5 - 7 fps an Pfeilgeschwindigkeit. Bögen werden für die Werbung überwiegend nach der IBO Methode, also mit 30" Auzugslänge bewertet. Hat also Dein Bogen eine IBO rating von 300 fps und Du hast eine n Auzugslänge von 27" kannst Du davon ausgehen, dass Dein Bogen einen Geschwindigkeistverlust von 15 - 20 fps hat. Das ist ein Grund mit, warum so viele Schützen eine unpassende Auzugslänge schießen. So haben also eigentlich große Schützen einen Vorteil durch schnellere Pfeile. Auf der anderen Seite haben kleinere Schützen wiederum andere Vorteile auf ihrer Seite.
Finde Deinen richtigen Ankerpunkt

Eine "richtig" eingestellte Auzugslänge hilft Dir Deine "Referenzpunkte" im Vollauszug zu entwickeln. Und diese Punkte sind die Schlüsselelemente für genaues Schießen. Im Vollauszug musst Du Kontaktpunkte zwischen Dir und dem Bogen herstellen! Ich hoffe für Dich, das sind IMMER die gleichen Punkte wenn Du den Bogen spannst.
ACHTUNG! Jetzt kommen Beispiele, die bei Dir und Deiner Anatomie völlig anders aussehen können!!
Vielleicht merkst Du, Deine Knöchel berühren Dein Ohr oder Deine Wange. (1) Vielleicht wo die Sehne Deinen Mundwinkel berührt (2) oder wo Deine Nasenspitze (3) die Sehne unter dem Peep berührt. Welche Referenzpunkte Du Dir auch immer aussuchst, DU MUSST SICHERSTELLEN, DASS ES IMMER DIE GLEICHEN SIND!! Nur dann hast Du auf Dauer auch einen wiederholbaren Ankerpunkt. Und das ist eine der wichtigsten Sachen in unserem Sport. Wenn Dein Ankerpunkt nicht bei JEDEM Schuss gleich ist, wirst Du niemals akzeptable Gruppen schießen.

Sicht durch Dein Peep
Eine der kritischsten Sachen ist die Ausrichtung zwischen Deinem Auge und Deinem Peep. Bist Du zu weit von Deinem Peep entfernt (zu KURZE Auszugslänge) ist Dein Sichtfeld DURCH das Peep zu sehr eingeschränkt. Ausserdem ist Deine Umgebung nicht genügend durch das Peep abgedeckt. Du musst Dich zwingen alles außerhalb Deines Peep zu ignorieren und Dich nur auf den Blick hindurch zu konzentrieren. Wenn Du also zu wenig DURCH das Peep siehst und ZUVIEL ausserhalb, wirst Du keine vernünftigen Ergebnisse erzielen.


Zu weit vom Peep


Richtiger Abstand


Zu nah am Peep

Wenn Du aber, auf der anderen Seite, zu nah am Peep bist (Auszug zu lang), bekommst Du einen Sack voll anderer Probleme. Sollte sich irgend etwas vor Dir bewegen, ist es unmöglich die Augen so unter Kontrolle zu haben, dass Du dieser Bewegung nicht folgst. Es ist einfach ein Reflex! Das Peep zu nah vor Deinem Auge gibt Dir ein so großes Sichtfeld, dass es wiederum sehr schwierig macht akkurat zu zielen.
Schießstil Probleme
Auszug zu kurz:
Wenn Dein Auszug zu kurz ist, wird es schwieriger Deine Referenzpunkte zu finden. Im Vollauszug findest Du keinen stabilen Anker. Ohne physischen Kontakt zu Deinen Referenzpunkten ist es schwierig ruhig zu stehen und wiederholbare Schüsse zu machen. Auch bist Du zu weit von Deinem Peep entfernt. Du wirst vermutlich den zu kurzen Auszug ausgleichen in dem Du Dich mehr zur Sehne lehnst, und/oder Deinen Bogenarm zu viel biegst. Meist verkleinern diese Schützen auch noch ihren Stand und bringen die Füße zu eng zusammen. Der Bogen wird nach rechts verdreht und der Kopf zur Seite gelegt.
Auszug zu lang:
Ist Dein Auszug zu lang, bringt Dir das andere Probleme. Noch mal, Dein Peep ist zu nah am Auge und Deine Referenzpunkze verschwimmen. Der Stand wird zu weit geöffnet, der Bogen wird nach links verdreht und der Schütze lehnt sich zurück. Dadurch wird der Bogenarm auch in den Weg der Sehne gedrückt und schlägt beim Schuss an. Mit der richtigen Auzugslänge und einem guten Stil, wird die Sehne nie an Deinem Arm anschlagen.
Ändert ein D-Loop die Auszugslänge?

Das ist eine der meist gestellten Fragen, die ich per email bekomme. Das ist nicht mal so einfach zu beantworten, denn es hat etwas mit Deiner Perspektive zu tun. Ändert ein D-Loop TATSÄCHLICH die Auszugslänge? Ganz sicher nicht! Die Spezifikation, wie nach AMO die die Länge gemessen wird, sagt, im Vollauszug vom Punkt wo die Nocke die Sehne berührt. Also NICHT von da wo Du ziehst! Einen D-Loop anzubringen heißt NICHT einen Bogen von 28" auf 25,5" zu stellen. 

Trotzdem gibt Dir ein D-Loop das GEFÜHL das Dein Auszug länger ist. Sieh Dir mal die Bilder an. Einmal mit, einmal ohne D-Loop. Derselbe Bogen, dieselbe Auszugslänge. Du siehst, die Hand ist woanders aber der Abstand Auge - Peep ist gleich.
Wie GENAU muss ich die Länge einstellen?
Gute Frage. Innerhalb von einem Zoll? Einem halben Zoll? Viertel Zoll? Es ist eine Frage wo Du hin willst. Kann man stundenlang drüber reden. Für den Anfänger oder den gelegentlichen Schützen ist ein halber Zoll fast nicht zu merken. Und da heute die Bögen im halben Zoll Bereich zu verstellen sind.... OK. Allerdings für Wettkampf und Leistungsschützen kommt es schon mal auf den Millimeter an. Habe ich meinen Auszug über Module oder Cams auf den halben Zoll genau eingestellt, kann ich entweder mit einem D.-Loop arbeiten oder ich drehe Kabel resp. Sehne ein. Man kriegt es mit ein wenig Arbeit sehr genau hin! Allerdings musst Du eben so gut sein, dass Du auch bemerkst wenn Deine Sehne sich längt.

Wir sehen uns an der Schießlinie.