|
Pfeilbau - Richtig gemacht X-10 oder nicht X-10, DAS ist hier die Frage!
Warum brauchen wir bessere Pfeile?
Ich möchte es mal aus der Sicht des "Trainers" erklären. Die besten Pfeile zu haben, die Du kriegen kannst, ist mindestens genauso wichtig wie den bestmöglich getunedten Bogen. Wenn nicht sogar wichtiger! Ist Deine Ausrüstung bestmöglich getuned, hast Du natürlich keine Ausreden mehr. Es beseitigt natürlich auch Zweifel, die Du wegen Deiner Ausrüstung haben könntest. Und... es bringt DEN Vortei bei zwei Schützen mit gleichen Fähigkeiten.
Wenn Du meine Aussage hier bezweifelst, schau Dir an, welches Material die Top-Schützen kaufen: Das Beste, was sie kriegen können. Mit den Informationen, die ich Dir hier gebe, kann "das Beste" noch verbessert werden. Es gibt einen Weg mehr zu tun als "alles".
Wenn man weiß, wie. Nach meiner Erfahrung liegt die Präzision im Pfeil, nicht im Bogen. Es überrascht mich eigentlich immer wieder, dass manche Trainer und Schützen einfach mal einene Satz Pfeile bestellen, die Standardkomponenten dazu und fertig anliefern lassen. Dann schießen sie Gruppen um die "Schlechten" auszusortieren. Nun, diese Schützen müssen SEHR gut sein, um mit dieser Methode erfolgreich zu sein. Na gut, manche sind es ja auch. Und da man ja das Beste kauft, werden eben auch die X-10er fertig angeliefert.
Aber andere Schützen, die dieses Problem erkannt haben, kaufen sich gleich mal 2-3 Dutzend Pfeile und nehmen dann nur die, sie wirklich ganz eng gruppieren. Das bringt einen schönen Vorteil gegenüber den anderen Wettkämpfern, aber einen sehr TEUREN Vorteil! Andere Schützen entschließen sich ihre Pfeile selber zu bauen, um die Variablen zu kontrollieren, denen nun mal jedes Material unterliegt. Mir hat mal jemand gesagt, der sicherste Indikator um einen "Verrückten" zu erkennen ist, jemand, der immer das Gleiche tut aber unterschiedliche Ergebnisse erwartet. Aber genau das ist es, was wir beim Thema "Pfeile" immer tun. Ich schlage vor, Du siehst Dir das mal aus einer anderen Perspektive an. Sowohl für Alu, Carbon als auch für Alu-Carbon Komposit Schäfte.
Für die Beschreibung der Angelegenheit nehme ich den NAVIGATOR, weil dieser Pfeil in jedem Bereich des Sportes inzwischen weit verbreitet ist. Du musst Dir über eines klar sein: So ein NAVIGATOR kommt aus einem Stapel, der viele Variationen enthält. Auch, was das Gewicht betrifft. Stelle sicher, dass Deine Pfeile aus der gleichen Charge stammen. Keine Vermischung der Kategorien! OK, was machen wir jetzt mit diesen Schäften? Der erste Schritt ist sogar vielen Trainern und Schützen unbekannt. Überprüfe Deine Pfeile auf einem Pfeilrichtgerät! JA! Ich sagte "Pfeilrichtgerät"!
Auch bei Carbon und Kompositschäften! Wenn Du keines hast und Dir auch keines leihen kannst ist es ein Nachteil für Dich. Wir wollen die Pfeile nicht "richten" aber über die gesamte Länge überprüfen. Wir nehmen kleine Stücke Klebeband und markieren die Stellen, wo der "Indikator" am weitesten ausschlägt. Überraschung! ALLE Pfeile haben "gebogene" Stellen!
Schritt 2: Miss Deine Pfeillänge ab, an der geradesten Stelle des Pfeiles. Da, wo die wenigsten Markierungen sind. Besonders am Ende des Schaftes. Vermeide den letzten inch des Nockendes und die ZWEI letzten inches des Kopfendes, wenn Du kannst! Jetzt schneiden wir unsere Länge! Das gibt Dir Pfeile, wie sie gerader nicht sein können bei dieser Sorte. Stecke vorübergehend Nocken auf das KOPFende und schneide erst die Nockseite.
Entgraten wenn nötig, Nocken auf setzen und das Kopfende schneiden. Auch hier wieder entgraten wenn nötig. Ich höre Dich jetzt sagen: "Aber die Beschriftung der Pfeile stimmt ja jetzt nicht mehr überrein. Sieht völlig blöd aus." Ja und? Willst Du mit den Pfeilen einen Schönheitswettbewerb gewinnen oder was treffen? Wenn Du keinen Zugriff auf ein Pfeilrichtgerät hast.... nun ja. Du kannst trotzdem bessere Pfeiloe haben als sonst: Schneide vom Nockende je einen Zoll ab, dann schneide auf Länge. Entgraten wenn nötig.
So, nächster Schritt. Wir haben jetzt die geradesten Stücke die möglich sind. Die NAVIGATORS können mit drei verschiedenen PINs bestückt werden, wenn Du Pin-Nocks schießen willst. Auf alle drei passen die gleichen Nocken aber haben unterschiedliche "Kragen". X-10 Pins haben dünne, flache Kragen mit einem kleinen Durchmesser. ACE Pins sind dort etwas dicker, größerer Durchmesser und laufen konisch zu. ACE Pins nimmt man eigentlich für die leichteren NAVIGATORS. Der dritte Pin hat den Kragen mit dem größten Durchmesser und ist am dicksten. Dieser geht etwas über den Schaft und schützt besser vor "Robin Hoods".
So, Du hast Deine Pfeile geschnitten, entgratet und von innen und außen gesäubert. JA, von innen auch! Es ist oft Staub von der Fabrik oder vom schneiden innen in den Schäften. Die Schäfte müssen exakt geschnitten sein. Wenn die Trennscheibe gerade durch geht, drücke das Schaftende noch eine Umdrehung gegen die Scheibe, das macht das Schnittende glatter. (Oh, wäre gut, wenn jemand einen Staubsauger an den Schneidkopf hält während Du arbeitest. Carbonstaub einatmen muss nicht sein.)
Das Nächste was Du brauchst ist eine elektronische GRAIN Waage. Ich höre Dich wieder: "WAS brauche ich?" Ja, ganz recht, eine GRAIN Waage. Wenn Du keine hast, leih Dir eine. Ansonsten gibts die bei Ebay schon für 30.- Euro. Du kannst keine präzisen Pfeile bauen wenn Du nicht die Komponenten präzise ausrichten kannst. Glaube mir, Du wirst froh sein, wenn Du so ein Ding hast.
Weiter, auf Deinem Arbeitstisch klebe 3 Streifen Kreppband, ca. 30 cm lang. In der Mitte des einen Streifens schreibst Du das Gewicht, das Deine Nocken lt. Werbung haben sollen. Nach links rüber, mache Markierungen im 1 cm Abstand und schreibe dazu das Gewicht minus 1/10 grain, 2/10 grain, 3/10 usw. Nach rechts rüber PLUS 1/10 grain usw. Du solltest jetzt eine Skala haben mit deüber einen Bereich von 2 grains. Auf die beiden anderen Streifen schreibst Du das Gleiche für Deine Spitzen und die Fletchen. Solltest Du Pin-Nocks verwenden, noch einen Streifen für die Pin-Nocks.
So, jetzt wiegst Du Deine Komponenten und legst sie passend zu den Streifen. ACHTUNG! Du könntest Dich erschrecken, wenn Du anfängst Deine Fletchen zu wiegen. Du könnest hier einen längeren Streifen brauchen. Fletchen der gleichen Länge von verschiedenen Herstellern haben unterschiedliches Gewicht! Dazu kommt: Fletchen des gleichen Herstellers bei gleicher Länge haben unterschiedliches Gewicht, weil von anderer Farbe! Sogar innerhalb der Gruppe gibt es Gewichtsunterschiede! Oh, habe ich erwähnt, dass präziser Pfeilbau viel Zeit und Arbeit kostet? Nein? Gut, jetzt weißt Du es. :-)
Stell Dir vor, Du fährst ein Auto das einen Reifen auf einer Seite hat, der 10% schwerer ist. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit zieht die Vibration den Wagen von der Straße. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich in einem Satz Pfeile eine Gewichtsdifferenz der Fletchen von 20% zu finden. Die meisten Schützen glauben eben nur, dass diese Variationen unerheblich sind, da sie sich im GRAIN Bereich abspielen. Wenn wir leichte und "schwere" Fletchen auf einem Pfeil mischen, kommt es zu Vibrationen. Die Rotation des Pfeiles wird instabil. Es ist zwar leicht sich das vorzustellen, aber im Ernstfall schwer zu diagnostizieren, wenn man nichts darüber weiß.
Manchmal haben wir einen schlechten Pfeilflug bei einem ganz bestimmten Pfeil. Die meisten Schützen haben dann gute Erklärungen: Insert ist krumm oder die Spitze oder der Bogen-Gott ist heute ungnädig, usw. Mag alles stimmen, aber wiege Deine Fletchen aus, dass sie passen und Du wirst eine angenehme Überraschung erleben. Daran liegt es häufig. Als nächstes wiegst Du Deine Schäfte! Schreibe das Gewicht (mit 2 Stellen hinter dem Komma falls möglich) auf kleine Stücke Klebeband und klebe sie auf den Schaft. Früher haben wir die leichtesten Spitzen zu den schwersten Schäften gepackt und hatten Pfeile die gewichstmäßig gut gepasst haben. Wir wunderten uns nur, warum die Gruppierungen nicht besonders waren. Tja, woran liegt es nur, dass ein Pfeil schwerer ist als seine "Kumpel" aus dem gleichen Dutzend? Etwas dickere Alu-Röhre innen? Sehr unwahrscheinlich. Meist ist der Grund, mehr Carbon auf die Röhre während des Herstellungsprozesses. Welchen Effekt hat aber mehr Material auf der Schaftwand? Es macht ihn ein wenig schwerer, aber waqs viel wichtiger ist: Es macht den Pfeil steifer! So, welchen Effekt hat es jetzt also, wenn wir zu diesem schwereren (UND steiferen) Pfeil die leichteste Spitze geben? Er wird NOCH steifer! Wir haben früher den schwersten Schaft mit der leichtesten Spitze kombiniert um das Gesamtgewicht passend zu machen. Ein absoluter GENERAL-FEHLER! Wir hatten gewichtsmäßig passende Pfeile aber eine riesige Menge Variationen im SPINE!
Hier ist, wie ich glaube, der bessere Weg: Verändere nichts am vorderen Ende des Pfeils. Der "vordere Biegepunkt" und der ganze Summs interessiert uns nicht! Bring Deine Spitzen zusammen, so gut Du kannst. Sind einige ein wenig zu schwer, schleife mit dem Dremel (oder einer Feile) ein wenig Material am HINTEREN Ende der Spitze (oder insert) ab, bis es passt.
Sind sie gewichtsmäßig gleich, klebe sie nach Anweisung des Herstellers ein. Noch eines zu den Spitzen: Wenn Du sie einklebest, drehe sie ein bis zwei mal im Schaft. Das verteilt den Kleber besser und richtet dadurch auch die Spitze besser aus. Das gilt auch für inserts. Mit den Spitzen wiege die Schäfte nochmal aus und schreibe das Gewicht auf die Sticker. Schreibe Dir die Gewichtsunterschiede zwischen dem leichtesten und schwersten Schaft auf. z.B. 2,5 grains. Jetzt suche Dir passende "End-Komponenten" zusammen. (Fletchen und Nocken) Ebenfalls mit Gewichtsunterschieden von 2,5 grains. HIER nimmst Du nun das leichteste Set und legst es zum schwersten Schaft! Mache das mit allen Schäften. Stelle sicher, das die Sets von Fletchen alle das gleiche Gewicht innerhalb ihrer dreier Gruppe haben.
Nun sagen einige Schützen, das leichte Komponenten HINTEN, den Pfeil steifer machen.
Achtung, Licht geht an: Gewicht am hinteren Ende des Pfeils hat den gegenteiligen Effekt wie Gewicht am vorderen Ende. Lies das noch mal! Soooo, um den Spinewert leicht zu VERRINGERN, können wir eine schwerere Spitze nehmen. Das wollen wir aber nicht, denn das würde das Gewicht unseres schwersten Schaftes noch erhöhen. Können wir aber sowieso nicht, denn wir haben unsere Spitzen schon eingeklebt. :-) Wir bekommen aber den gleichen Efekt von schwereren Spitzen mit leichteren Komponenten am Ende. Beides bringt den Spine ein wenig runter. Dieser Vorgang erzeugt nicht nur gewichtsmäßig passende Pfeile sondern wir reduzieren auch die Spine Variationen im Dutzend, während wir diese früher produziert haben. So, jetzt bau den Rest zusammen, lass es trocknen und geh schießen. Du wirst feststellen, dass mehr Pfeile besser gruppieren als jemals zuvor!
Wie war der Satz: "Wenn Du das tust, was Du immer tust, wirst Du das Ergebnis bekommen, das Du immer bekommst."
Dies ist meine Ansicht zu einem der wichtigsten Aspekte unseres Sports. Mache Dir die Arbeit, nimm Dir die Zeit, Du wirst es an Deinen Ergebnissen feststellen.
Wir sehen uns an der Schießlinie.
|