Pfeilauflagen - Basics

Nicht jede Pfeilauflage ist für jeden Schützen geeignet. Nur wer die Basics, das Grundwissen über Pfeilauflagen versteht, wird die richtige Wahl treffen und auf Dauer zufrieden sein.
 
Wenn Du Dir die grundsätzlichen "Pfeil und Bogen" Set-ups für *Target-shooting* von heute und von vor 30 Jahren ansiehtst und miteinander vergleichst, wirst Du erstaunliche Unterschiede feststellen. In nur 30 Jahren entwickelte sich eine ungeheure Industrie. Es begann mit Vollholz-Recurves mit Glas belegt und Fingertab oder Schießhandschuh in Verbindung mit Holz- oder Alu-Pfeil. Endete mittlerweile in ultrakurzen Compoundbögen aus Carbon mit Pfeilen aus Carbon und Release Aids mit einem Abzugsgewicht von ca. 50 Gramm. Wenn Du 30 Jahre geschlafen hättest, hättest Du heute wahrscheinlich Mühe so ein modernes Set-up überhaupt als "Pfeil und Bogen" System zu erkennen.

Aber nur wenige Dinge in unserem Sport haben sich in den Jahren so dramatisch entwickelt wie die Pfeilauflage. Tja, und weil das Thema Pfeilauflage gerade bei neuen Schützen so vernachlässigt wird, denn sie sind schwer verliebt in das Thema "Speed", werden meist erstmal die falschen Auflagen benutzt. Das wiederum ist die Garantie dafür, dass der Schütze NIE aus der Mittelmäßigkeit heraus kommt.

Am Anfang haben die Longbow Schützen nichts weiter getan, als den Pfeil über die Faust der Bogenshand zu schießen. Manchmal war die Hand mit einem Handschuh geschützt, manchmal nur mit einem Stück Leder. Dann, in den 50igern, wurde der Recurve entwickelt, der schon den Shelf in den Griff integriert hatte. Die Schützen kleideten den Shelf mit einem Stück Stoff oder Leder aus und fanden heraus, dass schießen vom Shelf ein großer Schritt war in Richtung *Genauigkeit*.

Es war in den 60igern, als die ersten abnehmbaren Pfeilauflagen verwendet wurden. Diese Pfeilauflagen waren selten mehr als ein horizontales Stück Plastik oder Federkiel auf dem der Pfeil lag und ein Stück Plastik oder Nylon an der Seite des Bogenfensters wo der Pfeil anlag. Bald gab es einige Pfeilauflagen, die seitliches Verstellen erlaubte und damit das Tuning erleichterte. Die Meisten dieser Auflagen wurden mit doppelseitigem Klebeband befestigt. Diese Art preiswerter Auflagen gibt es bis heute. 
(Bild 1)

Die Pfeilauflagen machten einen riesigen Sprung in ihrer Evolution Mitte der 60iger Jahre mit der Einführung des "Berger Button"! Tatsächlich wurder er von einem großen Wettkampf-Schützen seiner Zeit entwickelt, von Norman Pint aber benannt nach dem berühmten Schützen Victor Berger. Dieser Button "posterte" den Pfeil beim Abschuss, machte ihn weicher und verengte die Gruppierungen dramatisch! Als der Button dann in Verbindung mit dem sehr populären Flipper oder Flipper II benutzt

(Bild2 = Flipper Rest mit Button)                        (Bild 3 = Cushion-Plunger)
 

wurde, wurde dies der Standard an dem alle anderern Auflagen gemessen wurden. (Späte 60iger bis frühe 70iger.) Auch wenn Du heute kaum noch Berger Buttons findest, Du wirst viele ähnliche sehen, die heute "Cushion-Plunger" genannt werden.

Eine Variante des Cushion-Plunger in den 70igern, war das sogenannte "Springy-rest". Das war nichts weiter als ein Draht, der zu einer Spiralfeder aufgewickelt war und in einer Seitenplatte endete. Springys wurden in verschiedenen Größen und in verschiedenen Spannungsstärken verkauft. Dies gewährleistete, das verschiedenen Zugewichte mit verschiedenen Spinewerten der Pfeile harmonisierten.
(Bild 4 = Springy)
 

Diese einfache und robuste Pfeilauflage war damals sowohl bei den Bowhuntern als auch bei den Target Schützen sehr beliebt. Heute sind sie so selten wie ein vierblättriges Kleeblatt. 

In den 80igern kam der große Durchbruch für die Pfeilauflagen mit "Prongs" (zwei gekrümmte Metallfinger auf einer Achse.) und die "Launcher". Diese Pfeilauflagen
(Bild 5 = Prongs)
 

wurden bereits 1967 erfunden, von Fred Troncoso, Kalifornien. Er war Berufsmusiker und sehr ambitionierter Wettkampfschütze. Ein Jahr später gründete er die Firma "Golden Key - Futura". Dürfte wohl jedem Schützen bekannt sein. Damals produzierte die Firma noch keine Pfeilauflagen, sondern die ersten Schlaufen-Releases und Nock-Aligner, also die Bow Squares. 1968 war noch niemand an den Prong Rests interessiert. Sie waren eine zu radikale Änderung und zu kompliziert für die Zeit.

Fred Troncoso bastelte aber weiter an dieser Art Pfeilauflage. Er selbst sagte dazu: "Ich wolltev eine Pfeilauflage, mit der ich jeden Anderen schlagen konnte." Sein erstes Patent 1973 bekam er auf die "Mach One". Obwohl seine Frau sofort drei nationale Feldmeisterschaften gewann, waren alle anderen Schützen sehr zurückhalten bei diesem neuen Design. Aber manchmal braucht auch eine sehr gute Idee Zeit, sich durchzusetzen.  

Die Entwicklung der Pfeilauflagen geht in rasantem Tempo weiter. Während die grundsätzlichen Desings sich nicht verändert haben, gibt es mittlerweile hunderte von Variationen. Heute haben die Schützen im Bereich Pfeilauflage eine Auswahl in Firmen, Modellen und Formen wie nie zuvor. Während auf der einenSeite eine derartige Vielfalt gut ist, bringt sie auf der anderen Seite natürlich Verwirrung hervor. Welche Pfeilauflage ist die richtige für Dich?

Moderne Pfeilauflagen 

Heute haben sich Pfeilauflagen zu einem scheinbar endlosen Bereich von Formen und Typen entwickelt. Oft genug ist ea aber gerade das, was den Schützen konfus macht. Die Fragen sind immer die Gleichen: "Warum ist Auflag "A" besser als "B"? Welche Eigenschaften braucht eine Pfeilauflage wirklich? Kann ich die gleiche Auflage für Halle und Freilust verwenden?"  

Es sieht heute so aus, dass mehr als 90% aller Compoundschützen irgend ein Release aid verwenden. Das wiederum sagt aus, die meist geschossene Pfeilauflage basiert auf der Grundprinzip des Shoot-Through Systems. Wenn man sich die einzelnen Typen der Hersteller ansieht, basieren die meisten Modelle auf diesem System.

Wir sollten hier an dieser Stelle eines nicht vergessen, ohne Zweifel wird der weitaus größte Teil für Bogenjäger hergestellt. Will sagen, die Entwicklungsarbeit der Ingenieure konzentriert sich auf DIESEN Markt. Bogenjäger brauchen eine Pfeilauflage die robust, leise und so konstruiert sein muss, dass die großen 5 Zoll Fletchen gut durch kommen. Dies entspricht natürlich nicht unbedingt den Anforderungen eines Target-Schützen. Nun, warum ist das so? Ganz einfach: Die Bogenjäger sind in den USA so weit verbreitet, dass die Industrie genau weiß wo das Geld sitzt. Gute Pfeilauflagen für Target-Schützen sind ein "Abfallprodukt" der Entwickler. Fred Troncoso (Golden Key) sagt klipp und klar: "Ja, wir wissen, den Target Markt gibt es auch noch, aber 3/4 unserer Entwicklung geht dahin aus den Leuten bessere Bogenjäger zu machen."

Wünschenswerte Charakteristik einer Pfeilauflage 

Wenn man sich die Pfeilauflagen ansieht, die heute für Geld zu kaufen sind, finden wir alles in dem Bereich von "völlig simpel" bis "hoch komplex". Einige sind mit nur wenig Einstellungsmöglichkeiten ausgestattet, andere dagegen sind so überfrachtet, dass man glauben könnte man blicke in das Innere eines komplizierten Motors.

(Bild 6 = simpel)                                                (Bild 7 = komplex)
 

In den letzten Jahren war die Industrie bemüht, jedem Schützen eine Pfeilauflage zu geben, die micro-verstellbar ist. Horizontale und vertikale Einstellung im zehntel-millimeter Bereich. Damit wurde nun jeder Schütze in die Lage versetzt, seinen Bogen optimal zu tunen. Nun, gerade in den USA waren viele Bogenjäger davon enttäuscht. Das System war ihnen einfach zu kompliziert. Zusätzlich wurde die Sache dadurch erschwert, dass durch die Jagdbögen mit 70 oder 80# die kleinen Schräubchen immer wieder los geschüttelt wurden. In 1998 war das erfolgreichste Visier am Markt, ein ganz einfaches Pendulum sight. Also ein Visier, welches fast ausschließlich vom Hochsitz aus benutzt wird. Das Fazit der Industrie war: Die Bogenjäger wollen es ganz einfach, diese Gruppe ist unser Hauptgeschäft, also bekommen sie es einfach.
Das hat sich auch auf die Pfeilauflagen ausgewirkt. Seit ca. 3 Jahren werden neue Pfeilauflagen auf dem Markt geworfen, die wieder den alten Kriterien entsprechen:
Robust, leise und einfach.  Wollen wir nicht hoffen, das die Entwicklung guter Auflagen für den Target- Bereich vernachlässigt wird. 

Die Carbonpfeil-Herausvorderung

Obwohl immer noch die dicken Aluminiumpfeile den Markt ausmachen, entdecken immer mehr Schützen die schmalen Carbonpfeile für sich. Tja,  sie entdecken aber auch, dass es eine ganz schöne herausvorderung ist, für diese Pfeile die richtige Auflage zu wählen und einzustellen.
Einen Bogen zu tunen, mit z.B. hundert verschiedenen Pfeilauflagen ist bei Alu-Pfeilen eine Fleißaufgabe. Benutzen wir aber die schmalen Carbonpfeile, stellen wir auf einmal fest, dass nicht nur die Pfeilauflage extrem präzise eingestellt werden muss, sondern auch äußerste Sorgfalt bei der Positionierung der Nocke nötig ist. Wir brauchen die "richtige" Pfeilauflage umd Carbons *gut* zu schießen.
Carbonpfeile werden von Jahr zu Jahr mehr verkauft. Das Problem liegt hier in dem reduzierten Abstand zwischen den Fletchen. Das kann richtig hart werden. Die Hersteller reagierten hier mit dünneren "Prongs" und der Bereitstellung der "Launcher". Die dünne Drahtschlinge oder in der Form des ausgefrästen Stahlstiftes.(Ich nenne das Ding in Ermanglung eines anderen Namens immer: "Carbon-Löffel".)

(Bild 8 = Schlinge)                                          (Bild 9 = Löffel)

Nun, mit den Carbonpfeilen haben wir ein "Clearance" Problem. Am besten zu lösen mit dem Pudertest. (Nähere Beschreibung siehe den Artikel von Markus Groß "Perfektes Pfeiltuning")  
Bedingt dadurch sind wohl auch in den letzten 2 Jahren die etwas dickeren Carbon-Schäfte wie Redline, GoldTip und andere in Mode gekommen.  

Pfeilauflagen - Preise

Es gibt die unterschiedlichsten Preiskategorieen, aber ich denke ein erfahrener Schütze wird bei einer exzellenten Pfeilauflage nicht in Ohnmacht fallen, wenn auf dem Preisschild € 100.- steht. Bei einem Anfänger wird das anders aussehen. Erfahrungsgemäß wird sich hier der Preis bei 50-60 Euro einpegeln. Auf der anderen Seite höre ich immer wieder, dass sich jenseits der 100 Euro doch mächtig Widerstand regt.
Die meisten Pfeilauflagen (ich rede nur über den Compound!) werden im Bereich 40-50 Euro verkauft. Nun, Top-Target Schützen werden wohl jeden Preis akzeptieren, wenn es die Auflage wert ist. Aber auch hier gilt, 80% aller Auflagen gehen an Bogenjäger und damit kommen sie aus dem untersten Preissegment.  

 
Was wird sich in Zukunft ändern?

Die meisten Hersteller sagen recht deutlich, dass niemand in nächster Zeit auf eine "radikale" Änderung des Disigns warten soll.

Fred Troncoso ist der Meinung, dass die Spitze des Berges im Bereich "Bogen-Effizienz" erreicht ist. Die meisten Qualitätsprodukte die heute hergestellt werden sind mehr oder weniger nur noch Variationen des gleichen Themas.
Die Firma Golden Key hat z.Z. eine Menge neuer Entwicklungen, will sie aber noch nicht auf den Markt bringen um eben diesen nicht mit zu vielen neuen Produkten zu übersättigen. Natürlich muss die Kundschaft ja auch erst einmal von den Vorteilen der neuen Pfeilauflagen überzeugt werden, um sie überhaupt gut verkaufen zu können.  Dies wiederum kostet Zeit und Geld, das aus der laufenden Produktion abgezogen werden muss. 

Nun, ich persönlich denke, es sind zwei Dinge:
1. Dein jeweiliger Händler muss genau wissen was er tut wenn er Dir zu einer bestimmten Pfeilauflage rät.
2. Wenn Du ganz ohne Rat entscheiden willst, musst Du zwingend selber ein guter und erfahrener Schütze sein.

Wir sehen uns an der Schießlinie.