Peep - Rotation beheben

In den letzten zwei Jahren sind viele emails bei mir eingetrudelt.
Das Problem, dass mit weitem Abstand am häufigsten angesprochen wurde, war "Peep - Rotation". Soll heißen, das Peep steht so, dass man/frau im Vollauszug nicht richtig durch sehen kann.
Nun, wenn ich mich so auf den Turnierplätzen umhöre, gibt es anscheinend nicht mal zwei Schützen, die hier gleicher Meinung sind, wie das Problem zu lösen wäre. :-)
Die Zubehör-Hersteller weltweit haben eine komplette "Markt-Nische" um dieses Problem herum entwickelt. Die unterschiedlichsten Peeps, die mit Gummischläuchen ausgerichtet werden. Mit "Flügeln" die man sogar an die Sehne *schrauben* muss, Hut-Gummis werden benutzt, usw. Und jeder Schütze denkt, DAS wäre nun die Antwort auf Peep Rotation. Dann wiederum sehen diese Schützen immer wieder andere Schützen, die nur ein kleines Peep in der Sehne eingebunden haben, keine Gummibänder oder Schläuche, keine "ausrichtenden Nockpunkte" usw. Nur ein Peep und die Sehne dreht sich auch nicht. Wie ist das möglich? Ist es die Sehne? Gibt es eine bestimmte Methode?

In der Rubrik "Tipps & Tricks" hat sich schon einmal der Compoundschütze Roland Pepperl dazu geäußert. Auf Grund der mails habe ich geschlossen, dass aber auch vielen Schützen die vorbereitende "Grobarbeit" nicht geläufig ist. Also ganz von vorne:

Das es so viele verschiedene Meinungen gibt, wie das Problem zu lösen ist, liegt einfach daran, dass heute derartig viele verschiedene Sehnen-Materialien in den verschiedensten Längen für die unterschiedlichsten Bögen zu haben sind. Jedes Material verhält sich anders. Dazu kommt, dass die Beliebtheit verschiedener Materialien im Laufe der Zeit auch wechselt. Gestern noch war FastFlight2000 das non-plus-ultra, heute sind BCY450 oder Ultra-Cam der Renner. Eigentlich müsste man ein Magier sein, um die unterschiedlichen Reaktionen der Sehnen-Materialien vorher sagen zu können.

1.
Das Erste und Wichtigste, was jeder Schütze wissen MUSS ist: Jede Sehne "setzt" sich! Das heißt, die Sehne stabilisiert sich da, wo sie den geringsten Stress hat und die geringste Möglichkeit für ungewollte Bewegung. ACHTUNG! NIE DEN BOGEN OHNE PFEIL SPANNEN!
Nachdem das Peep installiert ist und in der passenden Höhe sitzt, machen wir uns eine Notiz in welche Richtung das Peep jetzt steht. Das wird unser Ausgangspunkt. So, jetzt 5 Meter vor die Scheibe, Pfeil einnocken, ausziehen, NICHT zielen, schießen. Wir stellen fest, die Position des Peep hat sich verändert. Völlig egal wer die Sehne gebaut hat. Die Sehne beginnt sich zu setzen und das dauert eben ein "paar" Schuss. Die Sehne streckt sich, wird länger. (Creep)  Das Peep verändert sich weiter. Dieses "strecken" ist der Grund für die Peep-Rotation.

2.
Der Bogen muss geschossen werden, bis sich das Peep nicht mehr verändert. Bei den modernen Materialien sollte das nach spätestens 50-60 Schuss erledigt sein. Dann weiß der Schütze, das System hat sich "gesetzt". Das Peep "steht"!
Jetzt haben wir eine Konstante, mit der wir arbeiten können. Bitte daran denken, Konstante ist hier noch ein relativer Begriff.

3.
Spanne den Bogen langsam (mit Pfeil) und beobachte wie sich das Peep verhält und sich dreht während des Auszuges. Dies ist der Indikator. Jetzt wissen wir, was wir mit dem Peep machen müssen. Nach Auszug und und Beobachtung in welche Richtung das Peep sich dreht, muss der Bogen in die Bogenpresse.
Wenn das Peep sich von
rechts nach links dreht, lösen wir die Sehne am UNTEREN Cam (bei Single-Cams an der Seite, wo die Mittenwicklung sitzt.) und drehen die Sehne von rechts nach links. Wie weit wir die Sehne eindrehen müssen, hängt davon ab, wie weit sich das Peep dreht beim ausziehen. Die Sehne tut eigentlich was sie will. Wir müssen ihr helfen das zu tun! Das ist wichtig! Dreht sich das Peep eine halbe Umdrehung, geben wir der Sehne auch eine halbe Umdrehung. So, jetzt wieder 6-8 Schüsse, damit das Peep sich wieder "setzen" kann. Dreht es sich noch nicht vor Dein Auge, die Prozedur wiederholen und noch eine halbe Umdrehung dazu geben. Jedesmal danach den Bogen ein paar mal schießen bevor die Position geprüft wird! Dreht sich das Peep zu weit, eine halbe Umdrehung zurück und wieder schießen.

4.
Sitzt das Peep exakt auf der anderen Seite, ist es einfach. Nur umdrehen. :-)
Umdrehen geht entweder auch mit der Bogenpresse oder einfach einen Kameraden bitten das Peep umzudrehen während wir im Vollauszug stehen. Bei 65% Let-off ist das kein Problem. Daran denken: Kommt der Bogen aus der Presse, schießen!

5.
Manchmal sehen wir, das Peep kommt nur in die Nähe der optimalen Position, egal was wir tun. An der Stelle wissen wir aber, wir sind so nahe dran, dass wir nicht mehr an der Sehne drehen sollten.
Jetzt wird es Zeit, Stränge umzulegen!
Dieser Schritt erfordert viel Fingerspitzengefühl. Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten. Entweder arbeiten wir weiter mit der Bogenpresse oder wir bitten einen Helfer dazu.
Wir schauen uns jetzt genau an, in welche Richtung die Sehne eingedreht ist. Beispiel: Ist die normale Richtung der Sehnendrehung von rechts nach links und wir brauchen ca. ein Achtel einer Umdrehung, machen wir folgendes: An der Seite des Peep, die uns am nächsten zugewand ist, nehmen wir 2 Stränge von der rechten Seite und legen sie nach links. Dies zieht das Peep in die Richtung, die wir wollen. Wenn wir das Peep in die andere Richtung drehen wollen, machen wir die Prozedur zur anderen Seite.

(Siehe "Tipps & Tricks") Ich habe jetzt die 2 Stränge als Beispiel genommen. Es gibt keine feste Zahl. Je mehr Stränge umso mehr Bewegung. Schießen und das System sich setzen lassen.

Diese Methode, ein Peep einzurichten ist natürlich für den Schützen mit D-Loop genauso effektiv. Der Unterschied ist nur, dass der D-Loop auch gedreht werden muss.
Das wars. Diese Methode funktioniert, muss aber sehr sorgfälltig gemacht werden. Trotzdem sollte die ganze Angelegenheit in 30 - 45 Minuten erledigt sein.
Peep Rotation kann wirklich Kopfschmerzen bereiten! Also, lieber das halbe Stündchen investieren um dann ohne Probleme, und vor allem ohne den ganzen Gummi- und Plastikmüll, zu schießen.


 Wir sehen uns an der Schießlinie.