Neues Zubehör? Mach das Beste daraus!

Kennst Du sie auch? Diese unsäglichen Werbungen und Marketingaktionen die Dir einreden wollen, wenn Du nicht SOFORT ihr neues "Ungeheuer-dampfendes-gravitonisches-was-auch-immer" kaufst, wirst Du NIE wieder eine 10 schießen. Also strömen wir alle in das nächste Bogensport Fachgeschäft um die neueste Errungenschaft zu erwerben mit dem sicheren Gefühl beim nächsten Turnier mindestens 100 Ringe mehr zu schießen.

Nicht schlecht, für ein paar Tage schießen wir sogar besser. Was ein Beweis ist für die Macht des Glaubens.

Das Problem ist, ab und zu kommt da wirklich was auf den Markt, was uns auf dem langen Weg zur Perfektion hilft. Wie nun die Spreu vom Weizen trennen?
Wie testest Du diese Dinge um heraus zu finden ob sie Dir helfen oder nicht?

Es gibt wirklich keine Abkürzung in dem Vorgang den ich hier beschreiben will. Es erfordert Zeit und Fleiß. Aber wenn Du fertig bist, weißt Du genau, ob der "massivgoldene, mit Weihrauch und Myrrhe gefüllte" Stabilisator oder die "exogene, hydraulische" Pfeilauflage Dir hilft oder Dich sogar behindert. Bei der Bewertung irgendeines neuen Teiles Deiner Ausrüstung solltest Du ein paar hilfreichen Regeln folgen:

Regel 1: "Nur eine Möglichkeit zur jeweiligen Zeit".

Will sagen: Du solltest NICHT Deine Sehne wechseln, Deine Standhöhe und Deinen Stabilisator, wenn Du eine neue Pfeilauflage testen willst! Du solltest NICHT Deinen Schießstil ändern, wenn Du ein neues Release ausprobierst! Manchmal, wenn Du etwas neues testest, bringt es Dich dazu, mehr als eine Möglichkeit zu ändern. Zum Beispiel, wenn Du von Carbon auf Alu-Pfeile wechselst, musst Du Deinen Center neu einstellen. In diesem Fall beachte auf jeden Fall die Regel Nr. 2:

Regel 2: "Mache Dir Notizen".

Ausführliche Notizen werden Dir helfen Fakten von Empfindungen zu unterscheiden. In drei Monaten bewahrt Dich das vor viel Ärger wenn Du versuchst Dich zu erinnern, was Du getan hast. Hattest Du den Center-Schuss verstellt? Nockpunkt verstellt? Wurfarmgewicht hoch gedreht? Schreib es auf!

Einen Gruppierungs-Check zu benutzen, ist der einzige Weg, wahre, verlässliche Messungen in der Testphase zu machen. Du kannst ihn  Dir selber machen oder
hier runter laden.

 


Regel 3: "Gruppierungs-Checks lügen nicht".
Nur wenn Du diese Testblätter benutzt, wirst Du wirklich die Effekte dessen sehen, was Du da testest. Sie sind ein unentbehrliches Werkzeug wenn Du tatsächliche Daten willst.

Regel 4: "Plane vorher".

Vernünftige Planung bewahrt Dich vor Enttäuschungen. Mache einen Testplan für alles, was Du testen willst. Wenn Du vorab planst, wirst Du effektiver sein. Schreibe Deinen Testplan auf und halte Dich daran.

Regel 5: "Messe alle möglichen Veränderungen vor und nach dem testen".

Vielleicht denkst Du, Deine Gruppierungen sind enger mit der neuen Pfeilauflage? Hast aber im Vorfeld Deine Standhöhe und Deinen Center-Schuss nicht gechecket? Und wenn sich die Sehne gestreckt hat? War es nun die neue Pfeilauflage oder vielleicht doch (durch strecken der Sehne) der bessere Ankerpunkt? Erinnere Dich an Regel 1. Lass uns mal ein Beispiel aus der "realen" Welt anschauen, wie sich diese Regeln auswirken.

Lass uns mal annehmen ich möchte testen ob ich besser mit 100 grain Spitzen gruppiere oder mit 80 grain Spitzen. Klingt einfach, aber so ein simpler Test kann ganz schön kompliziert werden.

Der erste Schritt ist, den Test zu planen und zu bestimmen, was ich brauche.

Jetzt schreibe ich den Testplan nieder. Ebenso die Gründe für diesen Testplan. In diesem Beispiel wissen wir, dass sich ein höheres Spitzengewicht der Pfeile auf das gesamte Tuning des Bogens auswirken kann. Weil ich Regel 1 folge, muss ich wissen, wie sich die 100 grain Spitzen auf das Basis-Tuning des Bogens auswirken. Ein Rohschaft-Test wird mir darüber Auskunft geben. Dann muss ich herausfinden, ob die 100 grain Spitzen mir helfen besser zu gruppieren. Ringzahlen und Gruppierungsmuster sind die Faktoren nach denen ich sehen muss. Diese Faktoren vergleiche ich mit den Ringzahlen und den Gruppierungsmustern der 80 grain Spitzen.

So, der nächste Schritt ist, eine "Kontroll-Gruppe" mit dem aktuellen Setup (80 grain) zu erstellen. Ca. 100 Schuss brauche ich für eine gute Ausgangslage. Dann brauche ich noch 100 Schuss mit den 100 grain. Heißt also, ich brauche 200 Schuss für den Vergleich. Dann muss ich den Test unter verschiedenen Bedingungen wiederholen. Z.B. wenn es windig ist, oder sogar im Regen. Wie Du siehst, bin ich jetzt bei 600 Schuss. Scheint viel zu sein, aber das ist es was man braucht um wirklich den Effekt dieses Wechsels zu erkennen.

Hier ist der aufgeschriebene Testplan:

• Messe alle Bogen Parameter. Standhöhe, Zuggewicht, Pfeilgeschwindigkeit, usw.    (Schreib es auf!)
• Rohschaft Test mit 80 und 100 grain Spitzen  Schreibe die Unterschiede auf!
• Schieße und notiere Gruppen bis 100 Schuss (80 grain) bei gutem Wetter.
• Stelle Deinen Bogen für die 100 grain Spitzen ein. Notiere die Veränderungen am   Bogen.
• Schieße und notiere Gruppen bis 100 Schuss (100 grain) bei gutem Wetter.
• Werte die Ergebnisse aus.

So, an dieser Stelle, warte! Ich sehe Dich nämlich vor mir stehen und fragen:
"He, Metrodix, was ist denn, wenn ich müde werde? Woher soll ich wissen, dass ich die zweiten 100 genauso gut geschossen habe wie die ersten 100?"

Dies sollte Teil Deiner Planung sein. Vielleicht kannst Du 200 Pfeile schießen. Kein Problem. Aber wenn nicht, musst Du vielleicht 4 oder 5 Sessions einplanen, mit jeweils 36 Pfeilen. Plane voraus und sei Dir Deine Grenzen bewusst.

So, wo war ich? Ach ja, jetzt haben wir die Daten von 200 Schuss und können die Zahlen und die Gruppen-Muster vergleichen. Vielleicht haben sich die Gruppierungen im Durchmesser verdoppelt? OK, vergiss die 100 grain Dinger und gehe zurück zu Deinem normalen Setup (Du hast Dir doch die Daten des Bogens aufgeschrieben, oder?) und versuche was anderes.

Aber vielleicht haben sich die Zahlen und Gruppierungen verbessert. Was dann? Nun, dann warten wir auf den windigen Tag und fangen von vorn an. Anstrengend? Klar! Langweilig? Möglich! Aber mit Sicherheit ist es nicht langweilig ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Und irgendwann wirst Du wissen, dass es den Aufwand wert war.

Wir sehen uns an der Schießlinie.