Entfernungen "schätzen".

In den letzten Jahren hat, auch in Deutschland, die Beliebtheit von 3-D Turnieren und auch das Feld schießen weltweit sehr zugenommen. Es gibt mittlerweile Länder, allen voran die USA, da finden mehr 3-D und Feld Wettkämpfe statt als reguläre FITA Turniere. Diese Art des Wettkampfes erfordert *scheinbar* die Fähigkeit des Schützen, die Entfernung zur Scheibe/Ziel zu schätzen. Aber das ist eigentlich ein Mythos. Die guten, die "großen" Schützen schätzen die Entfernung zur Scheibe nicht.

Sie kennen die Entfernung!

Wenn man als Neuling zu einem Feld Turnier geht, sieht es meist so aus, dass man in der ersten Runde auf die bekannten Entfernungen recht gut schießt. Das ist man gewohnt, man weiß wo das Visier hingestellt werden muss und fertig. Aber in der zweiten Runde, auf unbekannte Entfernung, sieht es für unseren Neuling meist so aus: Die erfahrenen Schützen schießen eine 4 oder 5 nach der anderen (mit dem ersten Schuss natürlich), während der Neuling eine 2, 3 mit Glück auch mal eine 4 schießt. Am Ende des Tages steht er unter "Ferner liefen...."
Nun, das Zauberwort heißt: "Rangefinding". Also Entfernung messen, nicht schätzen! Dies macht man natürlich am besten mit seinem Visier, resp. mit dem Scope. Der Schütze schaut zuerst auf sein Ziel und macht die beste Schätzung zu der er fähig ist. (Dazu später mehr.) Dann richtet der Schütze sein Visier ein und bereitet sich auf den Schuss vor. Einmal das Ziel im Auge durch das Visier und Scope, wird die tatsächliche Entfernung durch den Vergleich mit festen Bezugspunkten im Größenverhältnis zum Ziel entdeckt. Die Regeln bei FITA-Feld erlauben es, das Visier einzustellen bevor der Schuss abgegeben wird. Deshalb wird das Viser auf die Entfernung eingestellt, die durch das "rangefinding system" festgestellt wurde. Dies ist völlig legal!
Im 3-D Bereich schreiben die Regeln vor (falls sich inzwischen nichts geändert hat), das Visier nicht zu verändern, bis der erste Schuß gemacht ist. Der Schütze muss nun entscheiden, wohin er zielen will für sein "bullseye". Wenn der Schütze zum Beispiel sein Visier auf 55 Meter gestellt hat und beim Blick durchs Visier sieht, es sind tatsächlich 60 Meter, muss er höher halten um das auszugleichen.
Es gibt drei Schritte für die Entfernungsbestimmung für 3-D und Feld:
Schritt 1: Erste Schätzung (vor dem Auszug),
Schritt 2: Entfernungsauffassung, und
Schritt 3: (nur für FITA-Feld) "nach dem Schuss" oder "abschließende Entfernungsbestimmung".


Erste Schätzung, erfordert vom Schützen eine möglichst genaue Schätzung bevor er den Bogen spannt. Dies kann mit Hilfe aller Mittel geschehen, die sich am Bogen befinden. Für Entfernungen bis 30 Meter ist das menschliche Auge, mit ein wenig Übung recht gut. Für größere Entfernungen kann der Schütze ein wenig Hilfe in Anspruch nehmen.
Schon mal gesehen, dass die guten Schützen ihren Bogen in ein sog. "Bogenholster" setzen? Oder den Bogen ganz bequem gegen ihren Bauch drücken? Man kann jeden Betrag verwetten, das diese Schützen eine "Rahmen Methode" benutzen um die Entfernung richtig einzuschätzen. (z.B. bei einem Single Cam Bogen eignen sich die Löcher im oberen Idler Wheel sehr gut dazu.) Da die Feldscheiben eine einheitliche Größe haben, eignet sich diese Methode SEHR gut! Die Spitzen der Wurfarmgabeln eigenen sich dafür ebenfalls hervorragend. Man kann wirklich alles am Bogen nutzen. Ich habe schon Schützen gesehen, die ihren Bogenarm einfach in Richtung Ziel ausstreckten. OHNE Bogen! Dann sah ich, dass diese Schützen Fingerschlingen aus Leder benutzten. Der "Ring" für den Daumen war eine gute Hilfe! :-)

Entfernungsauffassung, mit dem richtigen Wissen kann man tatsächlich die exakte Entfernung zum Ziel bestimmen. In vollem Auszug! Mit dem Scope und einer bekannten Scheibengröße kann man folgende Methode benutzen. Bringe einfach den Rand der Scheibe mit dem Rand des Scope in Deckung. Bei einem 3-D Reh z.B., bring die Rundung des Scope einfach über die Hüfte. Zum üben kannst Du auf jede Entfernung anfangen. Du merkst Dir einfach immer wo der Zielpunkt sitzt. Mach das einfach in 5 Meter Abständen.
Natürlich musst Du dieses System mit jeder Scheibengröße und mit den div. 3-D Tieren üben. Für FITA-Feldschützen ist dieses System fast schon narrensicher! Bring den Rand der Scheibe mit dem Rand des Scope in Deckung und achte darauf wo der Zielpunkt sitzt. Mach das für alle Scheibengrößen, fertig!
(Zur besseren Veranschaulichung habe ich hier farbige Auflagen verwendet.)



In diesem angenommenen Beispiel sieht man den Zielpunkt des Scope ziemlich in der Mitte der halben Auflage. Dies ist das Zielbild für 25 Meter.

Bei 35 Metern, liegt der Zielpunkt schon deutlich im Gold.

Bei 50 Metern liegt der Zielpunkt schon an der 5. Diese Zielbilder variieren natürlich, abhängig von Deiner Ausrüstung und welche Entfernung man vorher geschätzt hat. Bei Standardauflagen kann man mit dem eigenen Visier ein eigenes System entwickeln.


An diesem Beispiel kann man sehen, wie der Zielpunkt sich bewegt.Diese Bild zeigt das Reh auf 20 Meter.Achtung: Das Zielbild variiert nach Größe des Zieles, Vergrößerungsfaktor des Scope und der Entfernung. Seit aber auch diese 3-D Ziele standardisiert sind (und man immer das gleiche Scope nutzt) sollte es keine Probleme geben.

Als Alternative kann man auch das Bein des Tieres nehmen und sehen wie hoch oder niedrig der Zielpunkt sitzt. Der Vorteil ist, das klappt auch unabhängig davon in welchem Winkel man zum Ziel steht. Zum Üben muss man ja nicht mal die original Tiere nehmen. Es reicht doch auch eine Pappschablone der selben Größe.

Auch hier bei kleiner Entfernung anfangen und in 5 Meter schritten zurück gehen. Nur sollte man sich bei jeder Entfernung einprägen, wo das Scope sitzt. Wenn man denkt, man hat alle Entfernungen gespeichert, einfach mal eine Runde schießen und überprüfen. Nun, es koste Zeit. Aber es muss jeder selber wissen, ob es das Wert ist!
Aber: Die Anderen können es!


Abschließende Entfernungsbestimmung. (Für FITA Feldschützen) Nach dem Blick durch das Scope wissen wir nun genau wie weit das Ziel entzfernt ist. Drüber oder drunter halten um kleine Fehler der Visiereinstellung auszugleichen. Dann das Visier exakt einstellen (Dead center) oder weiter anhalten. Beides hat seine Vorzüge.

Wie man sieht, diese Methoden und Systeme können auch kompliziert sein. Die Bereitwilligkeit zu üben und zu trainieren hat das Hauptgewicht hierbei. Wem es zuviel Aufwand ist..... Einige Schützen die ich kenne, haben eigentlich nur eine Referenz für die weiteste Entfernung jedes Zieles. Wie auch immer, es ist offensichtlich, dass die Top Schützen ihr eigenes System fast zur Vollkommenheit gebracht haben.
Hat man mal eines dieser Systeme gemeistert, wird es wieder ein Wettkampf mit "bekannten" Entfernungen. Alles was man dann noch tun muss, ist das Ziel zu treffen.

ACHTUNG:

Zusätzlicher Hinweis von
Peter "Coach" Jöcker, Bogensportschule Münsterland
www.bogensportschule.de


Falls mir die Entfernung nicht bekannt ist (z.B. Jagdrunde), stelle ich diese fest. Entweder mit der von Dir (Metrodix) beschriebenen Methode oder so:

Ich messe den Abstand vom Auge zu meinem Zielpunkt (Scopelinse, etc), wenn ich gerade im Auszug stehe. Ermittelter Wert: z. B. 90 cm.

Jetzt weiß ich, dass ich etwas am Visier, Schraube, Wasserwaagenstrichabstand (zum Ausprobieren eignet sich ein Papierklebestreifen, den ich genau so breit schneide und ans Visier klebe, bis z. B. auf 40 m Entfernung 40 cm auf einer Scheibe abgedeckt sind) etc. finden muss, das genau 9mm breit / hoch ist, und genau 90 cm von meinem Auge entfernt ist.

Dieses "Teil" deckt nämlich 9 mm bei 90 cm ab, deckt 20 cm bei 20 m ab, deckt 40 cm bei 40 m ab, usw. also genau die Entfernung, die ich hinterher von der Scheibe entfernt bin, wird von meinem ausgesuchten Abstand abgedeckt.

Dieses ist recht praktisch und einfach zu handeln. Gut ist es auch daher, das die entsprechenden Entfernungen immer am/im Gold abgedeckt werden. Z.B. 60 er Auflage auf 30 m ist eine mögliche Jagdentfernung, mein Abstand müsste also genau von einer Scheibenkante bis zur Mitte Gold reichen, ...you see?

Peter "Coach" Jöcker, Bogensportschule



Eine kleine Anmerkung noch: Ohne einen Bogen oder ein Visier in der Hand sind wirklich nur sehr wenige Schützen in der Lage Entfernungen jenseits der 35 Meter gut zu bestimmen. Wer also glaubt, diese System seien "unfair" von den Schützen die es nutzen, sollte besser nur FITA schießen. Auf bekannte Entfernungen. Das bringt wieder alle auf den gleichen Level. Man sollte auch stets daran denken, dass man nicht kontrollieren kann was andere mit ihrem Gehirn anstellen. Die "unbekannt" Experten nutzen jeden Vorteil der legal ist...... und das sollte jeder Schütze tun!
Ein altes Sprichwort sagt: "Komm mit Deinem Ar*** aus dem Sessel, wenn Du mit den großen Hunden rennen willst!"

Wir sehen uns an der Schießlinie.