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Die Stabilisierung
am Compound.
Stabilisatoren
(Stabis) sind ein fester Bestandteil der Ausrüstung eines jeden
Bogenschützen, aber es wurde sehr wenig geschrieben über
die tatsächliche Funktion eines Stabilisators.
Ich
will versuchen, alle Aspekte fair zu beleuchten: 95% aller Bogenschützen
werden NIE Weltmeister werden, die anderen 5% bringen sogar extreme
Mittel zur Anwendung auf der Suche nach ihren Extra-Punken. Der
folgende Exkurs "Ursache und Wirkung" hilft vielleicht
dem einen oder anderen das Beste aus seinem Stabilisator Set-Up
zu machen.
V-bars Das erste Gebiet, das wir untersuchen, sind V-Bars.
Eigentlich sind V-Bares an einem Compound so nützlich, wie
eine Handbremse an einem Kanu. Sieht natürlich sehr professionell
aus, aber ich sehe eigentlich nur 3 Gründe um sie anzuschrauben.
Obwohl ich immer wieder Schützen sehe, die sich entscheiden
V-Bares zu benutzen: Für jeden guten Schützen der sie
nimmt, könnte ich 10 nennen, die sie nicht nehmen. Halte beides,
Form und Ausrüstung, so einfach wie möglich, ist immer
der sinnvollste Weg in Richtung Perfektion.
Gründe:
1. Gewicht
hinzu fügen. 2. Um einen langen Stabilisator, der ohne
Rück-Gewicht (V-Bar) zu sehr front-lastig wäre, auszugleichen.
3. Manchmal sollte man einen einzelnen V-Bar an der gegenüberliegenden
Seite des Visiers benutzen um das Gewicht des Visiers und der Pfeilauflage
auszugleichen. Dies muß nicht notwendigerweise ein Seiten-Stabilisator
sein, evtl. reicht auch ein Gewicht.
An diesem
Punkt wollen wir uns an das original Konzept des V-Bars erinnern.
- Um zu helfen den Bogen senkrecht zu halten, so wie Seiltänzer
dafür eine Balancier-Stange benutzen. An einem Compound besorgt
die Wasserwaage diese Funktion. Ohne Zweifel, an einem Recurve
trägt das Konzept zur Verbesserung der Gesamt-Performace bei,
aber wir reden hier über Compounds.
Vibration Es wird oft vermutet, dass eine der Hauptfunktionen
eines Stabilisators, die Reduzierung von Vibrationen ist. Tatsächlich
wird wohl jeder Schütze schon div. Werbungen gesehen haben,
wo genau DAS beansprucht wird. Aber Fakt ist, dass ?Reduzierung
von Vibration? keinen Effekt hat auf die Treffgenauigkeit des Schützen.
Das sollte auch auf gar keinen Fall der ausschlaggebende Faktor
für die Auswahl eines Stabilisators sein. Natürlich ist
es angenehmer einen Bogen mit weniger Vibration und weniger ?Lärm?
zu schießen und es wird auch helfen, dass sich das andere
Material weniger los ?schüttelt? aber verbesserung der Genauigkeit?
NEIN! Vibration kann sich auf Genauigkeit nicht auswirken, denn
der Pfeil hat den Bogen längst verlassen, wenn die Vibration
auftritt. Beim lösen der Sehne fliegen die Wurfarme nach vorn
und der Pfeil verläßt den Bogen. Der tatsächliche
plötzliche Stop der Wurfarme, Sehne und Cams, plus nachträglicher
rückwärts und vorwärts Schwingung dieser Teile ist
der Grund für die Vibration. Der Pfeil ist lange weg!
Der
Punkt ist: Wer sich den besten Stabilisator für seinen Bogen
aussucht, schaue nach Balance und ziele mit ihm. Das ist das Wichtigste!
(Manche suchen ihn tatsächlich nach der Farbe aus. J ) Erst
dann sollte man nach ?Vibration? schauen und daran denken, es gibt
bessere Gimmicks zur Vibrations-Eleminierung auf dem Markt als gerade
den Stabilisator.
Balance Es wird auch behauptet, dass die Balance
und das Tunen des Stabilisators sich auf das Tuning des Bogens auswirkt.
Das ist ein Mythos!
Der Stabi hat,
wenn überhaupt, nur einen Minimaleffekt in dem Bereich. Er
dient nur und ausschließlich zu einem Zweck, den Bogen so
auszubalancieren, dass der Schütze vor, während und nach
dem Schuß den Bogen völlig ruhig halten kann. Durch dieses
bessere "ruhig halten" werden die Gruppierungen besser.
Nicht dadurch, dass der Bogen plötzlich genauer schießt.
Was ist also der beste Weg einen Compound auszubalacieren? Ein guter
Beginn ist es, den Stabi so anzubringen, dass der Bogen leicht nach
vorn kippt, wenn man ihn locker hält. Der Grund dafür
ist logisch: Der Pfeil will von einer möglichst stabilen Plattform
geschossen werden. Ist der Bogen vorn mit extrem viel Gewicht belastet,
ist es evtl. möglich, dass diese Kippbewegung schon einsetzt
bevor der Pfeil eine Chance hatte sich von der Sehne zu lösen
und damit die Nocke hoch reißt! Hast Du diese Balance eingestellt,
kannst Du anfangen vorsichtig mit den Gewichten zu experimentieren.
Schiebe die Gewichte mal vor und mal zurück. Auf diese Weise
wirst Du ziemlich sicher den optimalen Punkt finden, wo sich der
Bogen schneller senkt und Du ruhiger im Ziel stehst. Es ist nur
eine feine Veränderung und etwas schwierig zu merken. Erwarte
also keine "explosive" Verbesserung.
Länge: Die optimale Länge für männliche
Schützen liegt zwischen 30 und 36 Zoll. Die Damen mit einer
kürzeren Auszugslänge und Schützen mit kurzen Bögen
sollten es mit 25 bis 30 Zoll versuchen. Die extra langen Stabis
die zum Teil geschossen werden, (bis zu 54 Zoll) haben nur einen
Vorteil aber mehrere Nachteile:
Der
Vorteil: Bei vollem Auszug gibt es weniger Torque (Verdrehung) auf
das Mittelteil. Der längere Stabi am Bogen macht es schwieriger
den Bogen unabsichtlich in links/rechts Bewegung zu setzen. Erinnere
Dich, fast 70% aller Fehlschüsse sind rechts/links Schüsse,
der Vorteil ist also klar.
Die
Nachteile: Hoher Zuwachs an Gesamtgewicht! Der fast zwingende Einsatz
eines V-Bar um das extreme Frontgewicht auszugleichen! Bei den modernen
Bögen mit hohem Let-off ensteht Torque eigentlich weniger durch
das Mittelteil sondern dadurch, dass in vollem Auszug die Sehne
aus ihrem natürlichen Weg gedrückt wird. Wenn das Gesamtgewicht
erhöht wird und durch den langen Stabi die Seitwärtsbewegungen
des Bogens fast eliminiert sind ist es noch leichter, die Sehne
aus dem Weg zu ziehen! Wenn Du ausserdem ein wenig aus der Form
bist (vergiss Dein Krafttraining nicht) und Du erheblich länger
warten musst bis der Bogen sich mit dem langen Stabi gesetzt hat,
verlängert sich natürlich auch der Zielvorgang extrem.
Ein extrem langer Stabi von jemandem mit einem schlechten Schießstil
benutzt wird seine Ergebnisse verschlechtern statt zu verbessern!
In den
letzten Jahren sind die Stabis besser geworden. Die größte
Veränderung war, dass die früheren Stabis sich nach vorn
verjüngten und sich voll und ganz auf die Gewichte an der Spitze
verließen. Heute haben wir in der Regel paralele Stangen an
denen sich die Gewichte prima hin und her schieben lassen um eine
optimale Gewichtsverteilung zu erreichen. Dies wurde hauspsächlich
aus einem Grund geändert. Mit einem einzelnen, schweren Gewicht
an der Spitze des Stabis gab es einen "Pendel-Effekt"
wie bei einer Standuhr. Ist beim Auszug diese Pendelbewegung erst
mal gestartet, dauert es lange bis sie wieder aufhört.
Zum
gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Bögen immer kürzer,
schneller, leichter geworden mit höheren Let-offs. Die Stabis
spielen heute eine wichtigere Rolle als in der Vergangenheit. Die
Stabis mit den verstellbaren Gewichten sind eigentlich die Stabis
am Markt. Die sogenannten "Multi-Rods" wurden erfunden
1990 von Wayne J. Bickel, Yorktown/Indiana, USA. 1992 wurden sie
patentiert. Der allergrößte Vorteil aber ist, wie gesagt,
die Möglichkeit die Gewichte über die gesamte Länge
zu verschieben. Dieser Typ Stabi, vor allen anderen, kann Dir helfen
Deine Genauigkeit zu verbessern und Dir helfen in dem Bereich Probleme
zu lösen. Es gibt allerdings eines nicht: Fertige Gewichtspositionen
ab Werk! Mit Auszugslängen von 21 - 33 Zoll und Zuggewichten
von 25 bis 60lbs. plus verschiedener Hersteller und Modelle, ein
"one size fits all" findet nicht statt. Eine Schätzung?
Ja. Ein Optimum? Nein. Also, selber ausprobieren ist die Devise.
Ich
bin allerdings auch von einer Sache fest überzeugt: Was
Dir hilft, muss noch lange nicht anderen Schützen helfen. Auf
ihrer Suche nach Verbesserung machen viele Schützen den Fehler
und kopieren das Set-Up anderen Schützen ohne dies zu hinterfragen.
Einfach in der Hoffung: Wird schon. Dazu kommt, dass es ja durchaus
möglich ist, dass der Schütze, dessen Stabi Set-Up Du
kopierst, selber nur eine Kopie eines anderen Schützen schießt
Ich
hoffe, dieser Artikel hilft Dir, Dein Stabi-System an Deinem Compound
besser zu verstehen.
Wir
sehen uns an der Schießlinie! |